A-Jugend – Int. Turnier in Kolding/Dänemark | Tag 1

Anreise

Da war er nun der Tag an dem alles starten sollte. Morgens um 6:00 Uhr hieß es aufstehen, frühstücken und dann auf nach Osterath. Mit einem der Kleinbusse, ich hatte einen über Nacht bei mir behalten, fuhr ich dann zum vereinbarten Treffpunkt. Und was soll ich sagen? Ich war tatsächlich der letzte, der am Treffpunkt eintraf. Ich war mehr als pünktlich, aber trotzdem der letzte. Das gab es so auch noch nie. Mit so positiven Kleinigkeiten konnte es weitergehen. Ich hatte schon Bedenken eventuell den ein oder anderen Spieler anrufen zu müssen. Diese Sorgen verpufften aber in Sekundenbruchteilen. Um 7:00 Uhr war die Abfahrt in Osterath festgelegt worden. Ich war um 6:45 Uhr vor Ort. Also alles einladen, sich von den Eltern verabschieden, letzte Reisevollmachten einsammeln. Und dann ging die Unternehmung Internationales Handballturnier pünktlich um 7:00 Uhr los. Der Tross zog los! 3 Erwachsene, 17 Spieler, 2 Busse, 1 Transporter und 1 Ziel: Kolding in Dänemark.

Die 680 km lange Fahrt nach Kolding bot zwei neuralgische Punkte. Einmal den Elb-Tunnel bei Hamburg und zum anderen die Baustellen hinter dem Elb-Tunnel. Aus diesem Grund hieß die Devise: Die erste große Pause erst nach Hamburg. Und schließlich hatten wir auch Karfreitag.
Was uns zu Gute kam, war die Tatsache, dass kaum LKW Verkehr unterwegs war. So kamen wir ohne Stau ansatzlos durch den Elb-Tunnel. Nicht mal vor dem Elb-Tunnel mussten wir stehen. Zwar waren die 40 km Baustelle hinter dem Elb-Tunnel nicht besonders unterhaltsam, aber auch hier kam man ohne Stopp durch. Rund 200 km vor Kolding, noch auf deutschem Boden, machten wir bei der „Letzten Amerikanischen Botschaft“ vor der Grenze Rast. Weitläufig auch McDonalds genannt.

Old McDonald had a bag ...

Old McDonald had a bag …

Nach einer Stunde ging es dann auf das letzte Stück der Anreise. Nächstes Ziel: Die Deutsch/Dänische Grenze. Ich hatte mich schon gefragt wie Dänemark die Grenzkontrollen gestaltet. Zur Erinnerung: Die Grenzkontrolle wurde auf Seiten Dänemarks wegen der Flüchtlingskrise in der EU wieder eingeführt. Was soll ich sagen. Die Grenzkontrolle bestand aus zwei Großen Schildwagen mit blinkenden Weihnachtsbäumen und einem LKW neben dem ein einzelner Grenzer freundlich alles und jeden durchwinkte. Mir war es recht. Nun waren wir in dem Land in dem Handball der Nationalsport ist.

Das Ziel ist nahe

Das Ziel ist nahe

Die letzten 79 km bis Kolding verliefen wie im Flug. Durch die obligatorische Geschwindigsbegrenzung hatte man wenigstens etwas Zeit sich die sehr grüne aber auch ‚übersichtliche‘ Landschaft anzuschauen. Dann war es soweit. Wir waren mit über 3 Stunden viel früher da als geplant. Da muss man als Organisator einfach mal Hannibal vom A-Team rezitieren: „Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert“!

Wir sind da
In Kolding selbst ging es direkt zur SydBank Arena. Die SydBank Halle, eigentlich mehr ein großes Sportcenter, stellt die offizielle Heimhalle von KiF Kolding dar. In den Peripheriebauten der Halle war unter anderem auch der komplette Organisationsstab des Turniers untergebracht. Hier galt es erstmal die Mannschaft offiziell anzumelden. Dadurch dass wir so früh da waren, um 17:00 Uhr hätten wir vor Ort sein sollen, wir waren aber schon 2,5 Stunden vorher da, war die Anmeldeschlange vor uns nur mit 2 Teams vorbelegt. Nach einer Viertelstunde kamen wir dann an die Reihe. Alle Formalitäten wurden erledigt. Wir erhielten auch die Essenskarten für die Reisecrew wie auch die Adresse und Fahrplan zu unserer Unterkunft. Zum Glück war die keine 5 Minuten weit entfernt. Hier wurde auch die Kaution für das Klassenzimmer hinterlegt. 1 Stunde nach der Ankunft waren alle Formalitäten erledigt und wir marschierten Richtung unserer Unterkunft.

Die Unterkunft war eine Schule die ausschließlich aus einstöckigen Gebäuden bestand. Und wir waren in der Kreativabteilung, dem Kunstraum, untergebracht. Bevor alles zum Schlaflager um dekoriert werden konnte wurden mit einem Handy ein paar Fotos von der Mobilaren Ist-Situation geknipst. Ansonsten hätte keiner mehr gewusst wie das vorher in dem Raum ausgesehen hatte. Nun wurden alle Möbel zur Seite geräumt, gestapelt und verstaut. Somit entstand eine Liegefläche für alle Reisemitglieder. Die Jungs luden die Busse aus und suchten sich ihren Teilabschnitt auf der Liegefläche. Luftmatratzen wurden aufgepumpt. Feldbetten aufgebaut und Iso-Matten ausgerollt. In kürzester Zeit wurde das Quartier zur Abnahme fertig gestellt.

Teil Ansicht des Schlaflagers

Jetzt hatten die Jungs Zeit noch ein wenig Zeit sich die Zeit zu vertreiben. Einige spielten draußen Fußball oder machten sich mit der Keramik-Infrastruktur des Gebäude vertraut.
Irgendwann kurz nach 18:00 Uhr ging es dann für die Reisegruppe zur SydBank zurück. Auf dem Programm stand das gemeinsame Abendessen und anschließend die offizielle Turnier Eröffnungszeremonie.

Das Essen erhielt man im Sport-Center wie an einer Autobahn-Gaststätte. Man wurde durch ein Seilsystem an Tischen vorbeigeführt und konnte sich aus einer Kiste ein Brötchen (Only One), aus einem anderen Plastikbehälter ein Stück Geflügel Fleisch und/oder aus drei verschiedenen Salatbottischen Salat selbst aufnehmen. Nach der Dauer der Anreise hätte man den meisten hinstellen können was man wollte, die hätten „fast“ alles gegessen. An diesem Abend war das Abendessen aber auch schmackhaft, was am kommenden Tag nicht ganz zutreffend sein wird!

Kurz vor 20:00 Uhr versammelte sich die Mannschaft im Haupteingangsbereich der Sporthalle. Es stand die Eröffnungszeremonie an. Einige fragten mich, was jetzt passieren wird, was ich mit einem lapidaren Schulterzucken quittieren musste. Das war nirgendwo beschrieben.

Warten auf den Einlass

Aber alleine die Anzahl der Menschen die sich innerhalb einer halben Stunde in die Halle schoben war sehr beeindruckend.

Das ist mal ein gut besuchter Event!

Am Anfang der Zeremonie wurden alle Anwesenden durch zwei mehrsprachigen Moderator begrüßt. Es wurden einiges Fakten rund um das Turnier benannt und alle Spieler auf das herzlichste in Kolding willkommen geheißen. Es waren 223 Mannschaften vor Ort anwesend. Das entspricht mehr als 2600 gemeldet Personen. Es standen in 9 Hallen/Sportzentren 26 Spielfelder zur Verfügung. Dem Turnier standen bis zu 400 Volunteers zur Verfügung! Und als Vorgriff auf den morgigen Spieltag: Es sollen am ersten Spieltag alleine über 10.000 Tore geworfen werden!

Im zweiten Abschnitt der Zeremonie wurden alle teilnehmenden Länder nacheinander begrüßt. Dabei trug ein Fahnenträger die jeweilige Fahne der Nationalität an den Tribünen vorbei. Währenddessen donnerte das wohl offizielle Kolding-Intro vom riesigen Videowürfel an der Decke. Überhaupt wurde die komplette visuelle Stimulation von diesem Video Würfel übernommen. Der Würfel könnte ein kleiner Verwandter des Video-Würfel aus Schalke gewesen sein. Nur so als Orientierungshilfe. Während also die Fahne an den Tribünen vorbeigeführt wurde sah man auf dem Video-Würfel eine animierte Flagge der entsprechenden Nationalität.

Als dann der Fahnenträger die Runde beendet hatte kam er unter dem Video-Würfel zum Stehen. Jetzt wurde tatsächlich die Nationalhymne gespielt und alle standen auf. Während die Nationalhymne abgespielt wurde wurden alle teilnehmenden Mannschaften der jeweiligen Nationalität im Bild aufgezeigt. Da fünf Nationalitäten im Turnier vertreten waren: Frankreich, Niederlanden, Schweden, Deutschland und Dänemark wurde dieses Prozedere auch fünfmal wiederholt. Und die meisten Spieler in der Halle waren voll dabei Ihre Nationalität anzufeuern. Und bei dem anzeigen eines Mannschaftsnamens brandete immer wieder Applaus und Begeisterung auf. Eine sehr gute Stimmung. Vor allem die Niederländer drehten vor Begeisterung fast durch. Schon vor der eigentlichen Zeremonie betätigten sich vereinzelten Niederländer als Hallen-Animateure. Wie ein TV-Anheizer rannten diese an den Tribünen vorbei und animierten die Leute zur Laola. Und es klappte. Wie gesagt. Die Stimmung war vorher schon gut und nachher genauso.

Dann kam die Präsentation der Deutschen Mannschaften. Da Deutschland die mit Abstand meisten Teams im Turnier stellten war naturgemäß der Lärmpegel auch der höchste. Von uns warteten alle gespannt auf diesen Moment wo der Schriftzug „Osterather TV“ durch das Bild im Videowürfel lief. Als es soweit war, machten wir uns ebenso wie die anderen bemerkbar. Ich denke das war schon einer der Momente wo die Ersten lange dran denken werden.

Im Anschluss an die Präsentation aller deutschen Mannschaften kam das was unweigerlich kommen musste, das Abspielen der Deutschen Nationalhymne. Es war auch ein Moment des Fremdschämens. Während alle anderen Nationen einigermaßen die Nationalhymne mitsangen war bei den Deutschen nach der ersten Zeile „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!“ Feierabend. Nicht mal irgendwelches Gestammel. Einfach nur Ruhe. Daraufhin brachen die Niederländer in ein höhnisches Gelächter aus. Kann man Ihnen wirklich nicht verdenken. Wahrscheinlich sitzt der Frust der Nichtteilnahme an der kommenden Fußball EM doch zu tief. 😉

Nein, ernsthaft. Man sollte als Deutscher die Dritte Strophe der Nationalhymne mitsingen können.

Danach gab es noch ein Handball-Präsentationsspiel zwischen aktuellen und alten Liga-Spielern aus Dänemark gegen eine Auswahl des Organisations-Teams. War nett anzuschauen. Für die meisten war es dann aber auch der Moment sich für die erste Bettruhe zu präparieren und somit die Veranstaltung zu verlassen. Wir haben das Spiel noch bis zum Schluss angeschaut und fuhren dann wieder zu unserem Klassenzimmer.

Körperpflege, Umziehen, Schlafsack besteigen und dann den Tag beenden waren die letzten Aktivitäten bevor ich mich für diesen Tag verabschiedete. Morgen war schließlich der erste Sporttag angesagt.